 ... Um den atypischen sozialen Status der
Singles noch besser nachvollziehen zu können,
nähern wir uns vorsichtig deren Lebensgewohnheiten.
Der Single steht besorgniserregend spät
auf, das heißt, in allerletzter Sekunde.
Schnelle Morgentoilette, kurzes Waschen, Zähneputzen.
Frühstückt, während er sich anzieht,
geht dann seiner ungeliebten Arbeit nach, schiebt
mittags McDonaldsprodukte nach, die er beim vorabendlichen
Jogging vergeblich zu verbrennen versucht ...
Single sein ist längst kein einfacher sozialer
Status mehr, Single sein ist Kultur, ja ich möchte
fast sagen Religion geworden, und es ist zu befürchten,
daß die Daseinsberechtigung der Singles
auf einem fatalen Irrtum basiert: möglicherweise
wird der Satz aus dem Neuen Testament "Liebe
deinen nächsten wie dich selbst" auf
tragische Weise falsch gedeutet. Müßte
es nicht richtiger heißen: "Liebe
dich selbst"?.
... in diesem Punkt muß meine eigene Relativitätstheorie
relativiert werden – im sozialen Netz der
Singles kann Energie nicht gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit
im Quadrat sein, wohl aber läßt sich
diesbezüglich die Quadratur des Kreises
nicht verleugnen und die Theorie muß lauten:
Single ist gleich Grundbedürfnis plus Verantwortungslosigkeit
mal Ignoranz zur Potenz ...
... Die architektonische Herausforderung, den
Bedürfnissen dieser Mono-Individuen zu entsprechen,
hat die Industrie längst angenommen und
manifestiert sich auf geradezu frappante Art
und Weise: artgerechte Schlupflöcher für
Singles, wie Miniaturmöbelhäuser, -
alle gleich: Schrankwand, Couchgarnitur, Eßtisch,
offene Kommode mit Bücherattrappen zur Unterstreichung
des Intellekts, Kochnische mit Mikrowelle, Kühlschrank
mit Dosenfleisch und Bier im maskulinen Singlehaushalt,
Magerjoghurt und Milch im femininen. Herausziehbare
Aufschnittmaschine, WC, Bad, Schlafzimmer, Wäschekorb
für Weiß- und Buntwäsche, großer
Merkzettel für die Zugehfrau ...
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